Unter einem frechen Namen schickt LG ein aufreizendes Designerhandy ins Rennen. Seine Argumente: eine verführerische Optik und ein neuartiges Touchpad-Bedienfeld.
„Chocolate Phone“ - der Grund für diese Bezeichnung ist offensichtlich, erinnert das „kleine Schwarze“ durch die geradezu minimalistische Klavierlack-Oberschale tatsächlich an einen kleinen Schokoriegel. Außergewöhnlich: Im geschlossenen Zustand „verunstaltet“ auf der Frontseite keine einzige Taste die spiegelglatte Oberfläche, die lediglich durch ein dezentes, silbernes Quadrat unterbrochen wird. Wo sind also die Tasten geblieben? Die Antwort erhält der Nutzer umgehend, sobald man die Front nach oben schiebt, um dadurch die Zahlentastatur freizulegen. Auf einmal entpuppt sich das scheinbar leere Areal unterhalb des Displays als ein rot leuchtendes Tastenfeld, das im Gehäuse komplett integriert ist. „Touchpad-Technologie“ nennt LG dieses raffinierte Verfahren, das ähnlich funktioniert wie ein berührungsempfindlicher Touchscreen bei einem PDA; einfach den Finger auf die jeweilige Taste legen und schon erfolgt die Befehlseingabe wie man es von einem konventionellen Knopf gewöhnt ist. Die Handhabung wird dadurch zwar nicht gerade revolutioniert, doch dieser Touchscreen sieht schon verdammt sexy aus! Mobile Zeit ist sich daher sicher, dass dieses Konzept einige Nachahmer finden wird.
Fast so makellos wird das Gehäusedesign ist auch die Verarbeitung gelungen. So gibt es keine einzige Schraube zu sehen, und Spaltmassen sind, abgesehen von einem kleinen Spielraum bedingt durch die Slidermechanik, ebenfalls nicht zu erkennen. Alles in allem hinterlässt der Schokoriegel somit einen sehr wertigen Eindruck.
Erwartungsgemäß nicht so spektakulär wie die Optik geht es auf den Platinen zu. Okay, eine 1,3 Megapixel-Kamera ist sicherlich nicht schlecht, heutzutage aber schon gehobener Standard, zumal der Knipser eher durchschnittlicher Natur. Mehr Aufsehen erregt da schon der interne Speicher mit satten 128 MB. Das reicht aus, um beispielsweise den MP3-Player mit 40 Songs zu füttern. Der Clou: Dank UMS (USB Mass Storage) funktioniert das Chocolate Phone ähnlich wie ein handelsüblicher USB-Stick. Einfach per USB-Kabel (liegt bei) an den PC stöpseln und schon kann man Daten hin und her transferieren. Dieses große interne Archiv „tut allerdings auch Not“, da kein Wechselspeicher vor etwaigen Verdauungsschwierigkeiten schützt. Der Rest vom Fest ist eine konventionelle Mischung aus Business und Fun, wobei die Organizer-Funktionen allerdings nur das Notwendigste abdecken. Für den richtigen Auftritt mit der Sahneschnitte haben die Macher dafür eine optisch passende Trageschlaufe sowie eine Samttasche beigelegt – wobei letzteres sich prima eignet, um Fingerspuren von der empfindlichen Oberfläche zu entfernen.
Einen Trumpf hat das Chocolate aber noch: Als vorinstalliertes Spiel hat der sensible Schönling zwar nur ein Game, doch das hat die derzeit wohl stärkste Zugkraft: Sudoku. Jeder, der diesem Zahlenmatrix-Spiel einmal verfallen ist, weiß was gemeint ist. Schade hingegen, dass keine Freisprecheinrichtung für allgemeine Unterhaltung sorgt, wenn mehrere Personen gleichzeitig ein Telefonat verfolgen wollen.
Die Touchpad-Technologie sieht zwar unbeschritten klasse aus, sie ist allerdings gewöhnungsbedürftig, da der gewohnte Druckpunkt fehlt. Hat man sich aber daran erst einmal gewöhnt, flutscht man recht flott durch das aufgeräumte Menü. Lediglich die zentrale OK-Taste springt nicht immer sofort an, wenn man den Daumen drauflegt. Die klassische Zahlentastatur leistet dafür 1A ihren Dienst und ist zudem ausreichend groß dimensioniert. Die Menüführung ist ebenfalls in den meisten Bereichen logisch gelöst worden, und der Befehlsfluss wird auch nicht durch eine langsame CPU verzögert. Schelte gibt es jedoch für die etwas umständliche T9-Unterstützung, da sie gängige Vereinfachungen beim Tippen schlichtweg ignoriert.
Designhandys waren erfahrungsgemäß des Öfteren alles andere als technische Musterknaben, doch das Chocolate Phone schlägt sich bei den Messwerten sehr respektabel. Okay, drei bis vier Tage Dauereinsatz sind nicht die Welt, doch angesichts der geringen Maße hat Mobile Zeit schon viel schlimmeres erlebt. Die Sprachqualität ist durch leicht gedämpfte Stimmen ebenfalls nicht optimal, insgesamt liegt sie aber dennoch in einem guten Bereich, da keine nennenswerten Nebengeräusche den Plausch stören. Zu Hochform läuft der Koreaner im Bereich Empfangsleistung auf. Im E-Netz präsentiert sich der Schokoriegel jederzeit in einer guten Form. Wer im D-Frequenzband telefoniert darf sich sogar über einen Top-Empfang freuen, der auch bei schlechtere Netzabdeckung nur leichten Schwankungen unterliegt.