Mit viel Tamtam brachte Samsung das Touchscreen-Smartphone weltweit gleichzeitig auf den Markt. Dank schneller CPU und zahlreichen Innovationen melden die Koreaner selbstbewusst Ansprüche auf den Referenzthron an.
Schwarze Schale, klassischer PDA-Look, großer Touchscreen - abgesehen von der verschnörkelten Steuertaste im Edelstein-Look gibt es kein markantes Designmerkmal auf der Frontseite. Die Rückseite überrascht dafür durch ein raffiniertes rotes Farbspiel, wenn man das Gerät kippt. Erfreulicherweise ist das Jét angenehm kompakt und leicht, wobei dadurch auch das Display kleiner ausfällt als beim iPhone. Dank des farbintensiven AMOLED-Displays verbraucht das Smartphone laut Herstellerangabe dafür rund 40% weniger Energie als ein Mobiltelefon mit einem konventionellen Display. Das relativ geringe Gewicht verdankt das Jét hingegen vor allem dem weitestgehenden Verzicht auf Metallapplikationen. Ein billiger Plastikbomber ist der Koreaner dennoch nicht. Alle Bauteile sind präzise verankert und insgesamt stimmt der Robustheitsfaktor auf ganzer Linie.
In diesem Bereich präsentiert sich das Jét nicht gerade von der innovativsten Seite, wobei das aber nicht als Kritikpunkt zu verstehen ist, denn in den Platinen ist nahezu alles verankert, was Touchscreen-Vertreter heutzutage bieten sollten. Der Organizer ist gut gefüllt und versteht sich mit den handelsüblichen Microsoft-Formaten. Bis auf HSPUA sind alle Datenbahnen vertreten, wobei aber beim HSDPA-Datenkanal bereits bei 3,6 Mbit/s Schluss ist. Echte Smartphone-Qualitäten lässt es zudem beim E-Mail-Management vermissen, denn der Abruf klappt nicht reibungslos und alle Einstellungen müssen manuell vorgenommen werden. Ein GPS-Empfänger ist ebenfalls eingebaut. Wer allerdings die Route-66-Software + DACH-Karten für zwei Jahre zur Routenplanung nutzen möchte, muss 50 Euro mehr für das S8000 zahlen (549 Euro).
Auch für Fun ist selbstverständlich gesorgt. Zum Repertoire gehören die bekannten Standards, wie Radio, ein stilvoller präsentierter MP3-Player, Java-Games, die sich per Neigungssensor steuern lassen sowie eine fixe 5-Megapixel-Kamera, deren Qualität trotz guter Lichtempfindlichkeit allerdings etwas zu wünschen lässt. Hier fehlt es schlichtweg an Schärfe. Apropos „fehlen“, Sprachwahl findet Samsung nach wie vor nicht relevant.
im Bereich Handhabung haben die Koreaner kräftig die Ärmel hochgekrempelt. Samsung hat die Benutzeroberfläche TouchWiz nämlich in vielen Bereichen deutlich weiterentwickelt. TouchWiz 2.0 bietet eine, dank resistivem Touchscreen, gut funktionierende Gestensteuerung, die ein schnelles Durchblättern von Menülisten erlaubt - das hat iPhone-Niveau. Interessant ist ferner die neue Motion-Gate-Funktion. Sie nutzt Bewegungserkennung und startet häufig genutzte Anwendungen indem das Jet S8000 gedreht, gekippt oder mit dem Finger angetippt wird. Mit ein wenig Übung funktioniert das sogar recht gut, wobei es aber insgesamt mehr eine coole Spielerei, denn sinnvoller Alltagsnutzen ist. Zur Personalisierung hat Samsung das Widget-Angebot weiter ausgebaut. 30 Widgets sind auf dem Jét S8000 vorinstalliert. Neben dem Wetter und den aktuellsten Nachrichten stehen weitere Widgets online zum Download bereit.
Auch von der Browser-Front gibt es etwas Neues zu berichten. Dolfin heißt die Eigenentwicklung. Dieser erlaubt es dem Nutzer, bis zu fünf Webseiten gleichzeitig zu besuchen. Die Internet-Favoriten können bei Dolfin außerdem als Widget auf dem Startbildschirm hinterlegt werden. Weitere coole Idee: Die Zoomfunktion wird mit nur einem Finger bedient und funktioniert auch bei den restlichen Anwendungen, wie zum Beispiel bei der Bildbetrachtung.
Im Zusammenspiel mit einigen sehenswerten 3D-Animationen im Stile von LGs Arena sowie dreifach unterteilten Menüleisten á la Android liefert Samsung ein sehr ordentliches Touchscreen-Bedienungskonzept ab, wobei teilweise mehr Show als echter Nutzwert geboten wird.
Insgesamt dennoch besser als das vom iPhone? Eindeutig nicht. Beim Apple-Smartphone geht jeder Schritt noch eine Ecke leichter und intuitiver von der Hand. Insbesondere die virtuelle Qwertz-Tastatur lässt sich lange nicht so gut bedienen. Feinheiten, wie beispielsweise das automatische Anbieten von bereits aufgerufenen Web-Adressen, fehlen dem S8000 ebenfalls. Weiterer Kritikpunkt: Der Slot für microSD-Karten liegt unterhalb des Akkus.
Dank einer potenten 800-MHz-CPU ist das Jét sogar Multitasking-fähig. Im normalen Alltagsbetrieb laufen daher viele Menüeingaben sehr schnell ab. Bei aufwändiger Präsentation von Cover-Alben im Musik-Modus oder beim Blättern im Fotoalbum hat man hingegen das Gefühl, als ziehe jemand die Handbremse an. Das Surfen im Internet klappt hingegen gut. Im direkten Vergleich zum iPhone 3G S hat es tempomäßig zwar keine Chance, doch immerhin kann der Koreaner hier mit dem Vorgänger-Modell 3G gut mithalten.
Bei den Messwerten präsentiert sich das S800 durchweg solide. Der Akku spendet bei moderater Nutzungsintensität Strom für gute vier Tage. Wer häufiger zugreift, muss aber schon nach zwei Tagen zum Netzteil greifen. Die Verständigung ist recht passabel. Nebengeräusche hat das Jét sehr gut im Griff, doch bei der Natürlichkeit der Stimmen ist wie so oft Mittelmaß angesagt. Pluspunkt: die hohe Lautstärke. Bei der Empfangsleistung ist alles im grünen Bereich. Egal, ob D- oder E-Frequenzband, es gab während der Testphase nur selten Ausfälle.